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Schlossfestspiele Zwingenberg -

"Auf das besondere Flair kommt es an"

Festival-Intendant und Dirigent: Rainer RoosGespräch mit dem Zwingenberger Intendanten Rainer Roos über die 37. Schlossfestspiele im Neckartal.

Figaro hier, Figaro da: Was für den Kammerdiener in Mozarts "Figaros Hochzeit" gilt, das gilt erst Recht für Rainer Roos, den umtriebigen Intendanten der Schlossfestspiele Zwingenberg, deren 37. Saison kurz bevorsteht. Als musikalischer Leiter hat er alle Hände voll zu tun: Rainer Roos hier, Rainer Roos da, die Aufgaben nehmen kein Ende.

Manchmal käme ihm dabei vielleicht eine gute Portion Magie zupass - so wie in der Zwingenberger Parade-Oper "Der Freischütz" mit der wildromantischen Wolfsschlucht-Szene, zu der Carl Maria von Weber mit großer Wahrscheinlichkeit direkt vor Ort inspiriert worden war:

bei einem seiner Abstecher von Stift Neuburg aus. In diesem Jahr verzichtet Rainer Roos aber auf den "Freischütz"-Hokuspokus mit verteufelt treffsicheren Gewehrkugeln. Kreative Pausen müssen sein, auch in Zwingenberg. Das sieht das Publikum genauso wie die große Schar der beteiligten Künstler: "Wir haben uns vorgenommen, den ,Freischütz’ nur alle zwei oder drei Jahre zu inszenieren", sagt Roos beim Gespräch mit der RNZ auf der Terrasse von Schloss Zwingenberg. Der Blick schweift dabei über das Grün des Odenwalds, über den leicht frivolen Kurvenschwung des Neckars und all die Frachter und Ausflugsdampfer, die gemächlich flussauf- oder flussabwärts dieseln.

Apropos Frivolität: Die ist das A und O in Mozarts Opera buffa, die zu den Höhepunkten der diesjährigen Saison gehört. Geht es doch in dem Werk um das Recht der ersten Nacht mit der feschen Susanna, auf die Graf Almaviva pocht, was deren Verlobtem, dem Kammerdiener Figaro, verständlicherweise gar nicht passt. Ausgangssituation für die tollsten musikalischen Motive und Bravournummern, die auf Beaumarchais’ Komödie "Der tollste Tag oder Die Hochzeit des Figaro" basieren.

Gesungen wird in Zwingenberg in stetigem Wechsel auf Italienisch (wie es Lorenzo da Pontes Libretto vorsieht) und auf Deutsch: "Eine gute Methode, um einerseits den verwickelten Handlungsverlauf transparent zu machen, aber gleichzeitig der Musikalität des Originals gerecht zu werden", erklärt Roos. "Übertitel wollen wir hier nicht, die lenken nur den Blick vom Bühnengeschehen ab." Genauso wichtig ist es dem Intendanten, "dass alles, was auf der Bühne geschieht, einen Grund haben muss", eine Devise, die Roos in jungen Jahren von seinem Stuttgarter Mentor Ernst Pöttgen übernommen hat.

Eine Idylle im Neckartal: Über Zwingenberg erhebt sich das Schloss des Prinzen von Baden. Seit 37 Jahren werden hier jeweils im Sommer die Zwingenberger Schlossfestspiele veranstaltet. Hinter der Schlossanlage verbirgt sich die Wolfsschlucht.Sonja Maria Westermann wird die Gräfin in "Figaros Hochzeit" singen, eine gebürtige Odenwälderin, die bereits auf vielen Bühnen zu sehen war. Auftreten wird sie an der Seite des Argentiniers Matias Tosi, der gleichzeitig Regie führt. Ein Mozartexperte durch und durch. Rainer Roos vertraut auf junge Talente mit breitem Erfahrungsspektrum. Die Orchestermusiker rekrutiert er aus dem Nationaltheater Mannheim, von den Heidelberger Philharmonikern oder von anderen Klangkörpern. "Lauter Profis, die in Zwingenberg nicht auf große Gagen schielen, sondern wegen des besonderen Flairs des Festivals kommen." Gerne auch als "Wiederholungstäter". Darauf ist Roos mindestens genauso stolz wie auf die Tatsache, "dass 59 Prozent der Kosten durch den Kartenverkauf eingespielt werden, nur 41 Prozent kommen von der öffentlichen Hand oder Sponsoren".

Zweite Hauptproduktion dieses Sommers ist das Musical "Artus - Excalibur" von Frank Wildhorn und Ivan Menchell, basierend auf den uralten Mythen der Ritter von der Tafelrunde, an denen sich auch die Macher der allseits gehypten Serie "Game of Thrones" orientiert haben. Die Regie übernimmt Sascha Oliver Bauer. Rainer Roos setzt bei dieser Inszenierung auf die Musical-Stars Pia Douwes und Uwe Kröger: "Beide haben in Harry Kupfers Uraufführung des Musicals ,Elisabeth’ gesungen, es ist schon phantastisch, dass solche Leute nach Zwingenberg kommen." Natürlich bedarf es dazu auch des Überredungstalents eines Intendanten, der sowohl aus der Perspektive des musikalischen Leiters als auch aus der des Cast-Managers blickt. Möglich ist dies, weil Roos dank seiner weltweiten Dirigate am Pult der "Original Wiener Strauss Capelle" über ein fein gesponnenes Netzwerk verfügt.

Abgerundet wird die Saison durch spanische Flamenco-Nächte, ein Familienfest auf Figaros Spuren, eine Operetten-Gala der Strauss-Capelle und ein Chorkonzert. Clou des Ganzen wäre natürlich, wenn der inzwischen 98-jährige Prinz Philip in diesem Sommer Windsor Castle verließe, um bei den Festspielen vorbeizuschauen. Früher war der Blaublüter ja regelmäßig ganz privat im Odenwald zu Gast, um Rot- oder Schwarzwild zu jagen - auf Einladung seines Cousins Ludwig Prinz von Baden, dem Hausherrn von Schloss Zwingenberg.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung, 15.06.2019, 06:00 Uhr

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