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Schlossfestspiele Zwingenberg - Unser Intendant im Interview

Unser Intendant im Interview

Der Intendant der Schlossfestspiele Zwingenberg äußert sich im RNZ-Interview zur neuen Spielzeit. "Tosca" und "Rock of Ages" stehen auf dem Plan.

Nur noch knapp sechs Wochen, dann fällt im Schlosshof in Zwingenberg wieder der Vorhang für die Schlossfestspiele. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Im RNZ-Interview spricht Intendant Rainer Roos über die Besetzung der Hauptproduktionen, warum die Oper wichtig ist, und den Mix der Genres und Kulturen, die auch den Geist von Zwingenberg mit ausmachen.

Die Schlossfestspiele Zwingenberg sind etwas Besonderes. Kleines Budget, besonderes Ambiente – wie hoch ist Ihr Anspruch an die Qualität?

Unser Qualitätsanspruch ist maximal: Wir wollen so gut sein, wie irgend möglich, allerdings unter Rücksichtnahme auf die Menschen. Ich bin davon überzeugt, dass das Ergebnis besser wird, wenn das Menschliche stimmt. Für uns steht der Familien- und Teamgedanke im Vordergrund. Ich hoffe, dass sich diese Gemeinschaft wieder so bilden wird, denn ich bin mir sicher, dass in Zwingenberg nicht nur auf die individuelle Leistung geschaut wird.

Welche Faktoren spielen bei der Besetzung der Stücke noch eine Rolle?

Bei der Oper "Tosca" habe ich mich an der Besetzung der Uraufführung im Jahr 1900 orientiert, um zwischenzeitlichen Klischees entgegenzuwirken. In diesem Jahr ist es zudem so, dass die drei Haupt-Solisten der Oper ihr Rollendebüt geben. Diese drei Sängerinnen und Sänger kommen mit viel Enthusiasmus und Vorfreude, weil sie die Rolle unbedingt singen wollen.

Bedeutet das für Sie als künstlerischen Leiter dann auch Mehrarbeit?

Nein! Für alle drei ist es ein Traum, die werden perfekt vorbereitet zum Probenstart am 14. Juli anreisen. Wir machen dann die musikalische Feinarbeit und vertiefen das Stück schauspielerisch.

Sie und Regisseur Sascha Bauer wollen ja auch besondere Akzente setzen ...

Wir haben uns viele Gedanken über die Besetzung, vor allem der Rolle des Scarpias gemacht. Der Polizeichef wird eigentlich immer sehr klischeehaft besetzt, als über 55-Jähriger, beleibterer Mann. In der Uraufführung wurde Scarpia jedoch von Eugenio Giraldoni verkörpert – einem damals 29-jährigen schlanken Mann mit eindrucksvoller Mimik. Dahin wollten wir zurück. Unser Scarpia wird von Marco Di Sapia gespielt und gesungen, er erfüllt alle Voraussetzungen.

Ist das bei dieser Oper von Bedeutung?

Ja, der Scarpia sollte ein ebenso guter Sänger wie Schauspieler sein, ein Sängerdarsteller! Und da ist Marco Di Sapia extrem stark. Tosca war zuerst ein Riesenerfolg als Schauspiel, als Theaterstück, bevor Puccini daraus eine Oper gemacht hat. Wenn man das im Hinterkopf hat, dann weiß man, wie wichtig das Element des Schauspielens bei dieser Oper ist.

Ist "Tosca" auch was für Opern-Neulinge? Oder sollte man erfahren sein?

Meiner Meinung nach ist es auch eine Oper für Neulinge. Es sind eingängige Melodien, es sind zwei Arien darin, die man kennt. Welthits der Oper, die wirklich Gänsehaut verursachen. Inhaltlich ist Tosca ein sehr spannender Krimi. Und diese Oper ist mit zweieinhalb Stunden auch sehr kurzweilig.

Sie wird aber auf Italienisch gesungen. Diese Sprache beherrscht nicht jeder, wie wollen Sie das auflösen?

Wir wollen die Attavanti, die eigentlich gar keine physische Rolle ist, als "Vermittlerin" auf die Bühne bringen. Meines Wissens sind wir die Einzigen, die das so machen. Jana Kühnle, eine Künstlerin aus Neunkirchen, wird während des Stücks Bilder malen, um dem Publikum die Handlung näherzubringen.

Wie kommt man auf so eine Idee?

Wir hatten ja viel Zeit, darüber nachzudenken. Üblicherweise setzen Opernhäuser ein Lichtband ein, das über der Bühne zum Mitlesen eingeblendet wird. Ich finde das störend, bei einem Schauspiel sollten der Blick und die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf die Bühne gerichtet sein und nicht immer wandern. Deshalb haben wir wirklich lange überlegt, wie wir das besser lösen können.

Einen Akzent wollen Sie auch mit dem Orchester setzen. Es soll das größte sein, dass jemals auf Schloss Zwingenberg gespielt hat ...

Es werden 55 Musiker sein, wir werden tatsächlich nichts einsparen, auch nicht die Harfe oder einen der Holzbläser. Ob alle in das Orchesterzelt passen, ist noch nicht ganz klar, ich hoffe es aber. Die Orchestergröße ist auch der Grund, warum wir dieses Mal mit dem Musical beginnen. Alle Tontechnik muss abgebaut werden, denn wir brauchen den Platz für die Musiker. Es wird ein tolles Klangerlebnis im Schlosshof!

Wie probt man denn mit einem so großen Orchester?

Wir haben das große Glück, dass unsere Musiker zu 90 Prozent von der Staatsoper Stuttgart und vom Nationaltheater Mannheim kommen. Das sind zum Großteil Musiker, die Tosca schon mehr als 100-Mal gespielt haben und die sich auch kennen. Die Musiker kommen erst eine Woche vor den Aufführungen, wir haben dann drei lange Proben gemeinsam. Da können wir richtig gut arbeiten. Ich kann versprechen, dass wir großartig besetzt sein werden, das sind alles tolle Musiker.

Zu jeder Spielzeit wundert man sich ein bisschen, wie Sie große Musical- und Klassik-Stars nach Zwingenberg holen. Wie machen Sie das?

Wenn wir uns auf das Programm geeinigt haben, also meistens im September, beginne ich damit, das Ensemble zusammenzustellen. Das Ziel ist, dass wir bis Ende November alle unter Vertrag haben. Und dann ist es so: Wenn man mit den ersten telefoniert, dann fallen weitere Namen, dann gibt es Empfehlungen. Manche dieser Musiker kenne ich, manche nicht, die schaue ich mir dann an. Es ist aber natürlich auch immer eine Optimalbesetzung im Hinterkopf. Es gibt ein Grundgerüst an möglichen Stücken und Besetzungen, die in den nächsten Jahren in Zwingenberg infrage kommen. Und wenn das Programm dann feststeht, dann frage ich konkret nach.

Oper, Rock-Musical, Rahmenprogramm – die Schlossfestspiele sind vielseitig. Was macht Ihnen am meisten Spaß?

Ich habe eigentlich nur Spaß! Ich habe das Glück, einen Beruf zu haben, den ich so sehr liebe, dass es sich nicht nach Arbeit anfühlt. Natürlich ist man abends müde und erschöpft – aber glücklich. Es macht viel Freude, die Menschen zu treffen, es macht mich glücklich, wenn Familien, aber auch Senioren zu unserem Familientag kommen. Und dann freue ich mich über den Kulturen-Mix, die Musik ist eine einzigartige Sprache, die Brücken schlägt. Deshalb liegt mir die Reihe "Musik aus aller Welt" so am Herzen. In diesem Jahr trifft klassische Musik dabei Zulu-Musik aus Afrika. Dann haben wir noch unsere Musicalgala, bei der auch der Kinderchor dabei sein und "Komm wir ziehen in den Frieden" von Udo Lindenberg singen wird.

Braucht es bei so viel Abwechslung schon im Begleitprogramm die Oper auf Schloss Zwingenberg überhaupt noch?

Es ist mir sehr wichtig, die Oper zu erhalten. Die Schlossfestspiele Zwingenberg haben es sich auf die Fahnen geschrieben, Oper, Operette und Musical zu präsentieren. Dieser Mix, die Möglichkeit für Musiker unterschiedlicher Genres, sich kennenzulernen, das macht für mich den Reiz aus. Aber natürlich ist es so, dass die Oper im Vergleich zum Musical teurer zu spielen ist, gleichzeitig die Nachfrage des Publikums geringer als beim Musical ist. Das ist sicher auch der Grund, warum viele Sommerfestspiele die Oper aus dem Programm genommen haben. Die Oper zu erhalten, kann nur gelingen, wenn die Menschen auch kommen! Wir versuchen, unseren Teil dazu beizutragen, versuchen, die Qualität hochzuhalten, tolle Ideen einzubringen – es nah bei den Menschen umzusetzen. Letztendlich darf Oper nicht langweilig sein, sondern ruhig auch Unterhaltung sein. Was sollte daran schlimm sein? Deswegen werde ich alles dafür tun, die Opernaufführungen in Zwingenberg zu erhalten.

Was können die Zuschauer beim Musical "Rock of Ages" erwarten?

Auch da bin ich stolz, dass wir so eine tolle Besetzung bekommen haben. Wir haben unter anderem vier Solisten, die bei der ersten Riege des Erfolgsmusicals "We will rock you" dabei waren. Sascha Krebs wird in Zwingenberg seine Traumrolle singen – man kann sich sicher sein, dass diese Solisten mit ganz viel Herzblut die Rockhymnen der 80er-Jahre präsentieren werden. Die Musik der 80er-Jahre wird übrigens aktuell auch wieder von vielen jungen Menschen gehört, also auch hier ist unser Angebot generationenübergreifend.

Die Spielzeit 2019 war die letzte reguläre auf Schloss Zwingenberg. Was erhoffen Sie sich von der neuen Saison?

Wir haben 2019 wirklich unglaublich aufgehört, mehr als 8100 Zuschauer wollten unsere Produktionen sehen. Das war ein Zuschauerrekord. Bei unserer Abschlussaufführung von Artus hatten wir mehr Zuschauer als Plätze, der SWR hat darüber den tollen Film "Ein Dorf macht Musical" gedreht. Es war Gänsehaut pur. Natürlich haben wir gedacht, dass wir 2020 daran anknüpfen können. Dann kam dieser riesige Einschnitt. Für mich stellt sich nun die Frage, wo wir anknüpfen werden: Als ich nach Zwingenberg kam, hatten wir gut 5000 Zuschauer pro Jahr, 2019 waren es dann über 8000. Ich hoffe, dass uns möglichst nah bei den 8000 der Neustart gelingt. Mein großes Ziel bleibt es, irgendwann 10.000 Zuschauer pro Sommer zu auf dem Schloss begrüßen zu dürfen.

Von Stephanie Kern (RNZ)

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Unterstützung durch die Volksbank Neckartal

In wenigen Wochen starten die Schlossfestspiele Zwingenberg nach der Corona-Pause mit einer kompletten Spielzeit auf dem Schloss.

Bei Klassik- und Kulturliebenden in der Region sowie dem Team der Festspiele ist die Vorfreude entsprechend groß. Möglich macht diese Spielzeit mit den Hauptproduktionen „Tosca“ und „Rock of Ages“ unter anderem eine Spende der Volksbank Neckartal eG über 5.000 Euro.

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