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Schlossfestspiele Zwingenberg - Hotzenplotz im Zwingenberger Burghof (RNZ, 06.08.2013)

Hotzenplotz im Zwingenberger Burghof (RNZ, 06.08.2013)

Eine Kaffeemühle, die Musik macht, Feenkraut, das unsichtbar macht, und ein Räuber, der in einen Gimpel verwandelt wird. 'Räuber Hotzenplotz' bot viel Erstaunliches. Foto: Peter Lahr  Von Peter Lahr  Zwingenberg. "Wir hätten uns auch verkleidet", meinte eine Mama beim Anblick zahlreicher Räuberjungen und -mädchen, die sich am Sonntagvormittag auf dem Zwingenberger Burghof tummelten. Doch die kleinen Strolche planten keinen Raubzug durch den Festspielfundus oder den hoheitlichen Weinkeller. Nein, sie waren sogar hochwillkommen: "Verkleidete Kinder erhalten eine kleine Überraschung", hatte es im Programmheft der Zwingenberger Schlossfestspiele geheißen. Ein Tütchen, gefüllt mit süßem "Räuberproviant", bildete die kommode Alternative zu Pflaumenkuchen mit Schlagsahne, womit Großmutter ihre Geburtstagsgäste bewirten wollte. Wenn es nur dazu gekommen wäre...  Womit wir bereits mitten drin im "Räuber Hotzenplotz" wären. Dem schon seit Wochen ausverkauften Gastspiel des Karlsruher Figurentheaters "Marotte". Dass da mitunter kräftig berlinert wurde, war den beiden routinierten Figurenspielern Friederike Krahl und Carsten Dittrich zu verdanken, die beide in der deutschen Hauptstadt studiert hatten. Nicht nur der "Hart-aber-herzlich-Slang" tat dem aufgefrischten Text gut. Auch die witzig-skurril gezeichneten Figuren passten wunderbar zu dieser zeitgemäßen Adaption des Kinderbuchklassikers von Otfried Preußler (Regie und Puppen: Eva Kaufmann).  Respekt vor dem Original verband sich mit flotter Musik sowie einem Bühnenbild, das sogar Anleihen an die deutsche Stummfilmära der 20er-Jahre nahm. Die quadratische Bühne stand auf Rädern und bot gleich vier verschiedene Bühnenbilder. Bei Bedarf ließ sie sich um die eigene Achse drehen und - Schwuppdiwupp! - war der Zuschauer von der Räuberhöhle in das verhexte Schloss des Petrosilius Zwackelmann geflogen. Ganz ohne Zauberei oder Besenstiel.  "Lausige Zeiten sind das, jetzt muss man sich schon um eine Kaffeemühle kloppen." Fast verspürte der Zuschauer einen Hauch Mitleid mit dem "Mann mit den sieben Messern", dessen wundervoll hässliche Hakennase unter dem breitkrempigen Hut hervorlugte.  Mit einer Hasenscharte und Rattenzähnen war der böse Zauberer gesegnet. Und musste wegen einer neuen Zahnspange zum Zahnarzt. Dass seine Kochkünste nur begrenzt waren, zeigte sich schnell an singenden Spaghetti und Kartoffeln, die sich partout nicht auf die Pelle rücken lassen wollten.  Kasperl mit der handgestrickten Mütze und Seppel mit seinem windschiefen grünem Hut tricksten die beiden dennoch gehörig aus. Aber ohne die Hilfe der verzauberten Fee Amaryllis, die als hässliche Unke schon seit 200 Jahren im Schlossbrunnen sitzt, wäre das Happy End mit Pflaumenkuchen sehr fraglich geworden. Der (echte) plätschernde Hofbrunnen unweit der Bühne passte da genau so gut, wie die Idee, auch der erlösten Fee ein ziemlich unkenhaftes Konterfei zu geben. "Möge die Macht mit dir sein", verabschiedete sich die Gerettete und pfiff dabei das Lied der Star-Wars-Saga.  Die Frage nach den berühmten drei Wünschen, sie erledigte Kasperl souverän. Wünschte sich seine Mütze zurück - ein Geschenk der Oma - rettete zudem die Kaffeemühle, das geklaute Geburtstagsgeschenk für die Großmutter, und gab sogar dem in einen Gimpel verzauberten Hotzenplotz seine normale Gestalt zurück. Fantastisch, das Fest kann beginnen - auch ohne Schlagsahne.

Eine Kaffeemühle, die Musik macht, Feenkraut, das unsichtbar macht, und ein Räuber, der in einen Gimpel verwandelt wird. 'Räuber Hotzenplotz' bot viel Erstaunliches. Foto: Peter Lahr

Von Peter Lahr

Zwingenberg. "Wir hätten uns auch verkleidet", meinte eine Mama beim Anblick zahlreicher Räuberjungen und -mädchen, die sich am Sonntagvormittag auf dem Zwingenberger Burghof tummelten. Doch die kleinen Strolche planten keinen Raubzug durch den Festspielfundus oder den hoheitlichen Weinkeller. Nein, sie waren sogar hochwillkommen: "Verkleidete Kinder erhalten eine kleine Überraschung", hatte es im Programmheft der Zwingenberger Schlossfestspiele geheißen. Ein Tütchen, gefüllt mit süßem "Räuberproviant", bildete die kommode Alternative zu Pflaumenkuchen mit Schlagsahne, womit Großmutter ihre Geburtstagsgäste bewirten wollte. Wenn es nur dazu gekommen wäre...

Womit wir bereits mitten drin im "Räuber Hotzenplotz" wären. Dem schon seit Wochen ausverkauften Gastspiel des Karlsruher Figurentheaters "Marotte". Dass da mitunter kräftig berlinert wurde, war den beiden routinierten Figurenspielern Friederike Krahl und Carsten Dittrich zu verdanken, die beide in der deutschen Hauptstadt studiert hatten. Nicht nur der "Hart-aber-herzlich-Slang" tat dem aufgefrischten Text gut. Auch die witzig-skurril gezeichneten Figuren passten wunderbar zu dieser zeitgemäßen Adaption des Kinderbuchklassikers von Otfried Preußler (Regie und Puppen: Eva Kaufmann).

Respekt vor dem Original verband sich mit flotter Musik sowie einem Bühnenbild, das sogar Anleihen an die deutsche Stummfilmära der 20er-Jahre nahm. Die quadratische Bühne stand auf Rädern und bot gleich vier verschiedene Bühnenbilder. Bei Bedarf ließ sie sich um die eigene Achse drehen und - Schwuppdiwupp! - war der Zuschauer von der Räuberhöhle in das verhexte Schloss des Petrosilius Zwackelmann geflogen. Ganz ohne Zauberei oder Besenstiel.

"Lausige Zeiten sind das, jetzt muss man sich schon um eine Kaffeemühle kloppen." Fast verspürte der Zuschauer einen Hauch Mitleid mit dem "Mann mit den sieben Messern", dessen wundervoll hässliche Hakennase unter dem breitkrempigen Hut hervorlugte.

Mit einer Hasenscharte und Rattenzähnen war der böse Zauberer gesegnet. Und musste wegen einer neuen Zahnspange zum Zahnarzt. Dass seine Kochkünste nur begrenzt waren, zeigte sich schnell an singenden Spaghetti und Kartoffeln, die sich partout nicht auf die Pelle rücken lassen wollten.

Kasperl mit der handgestrickten Mütze und Seppel mit seinem windschiefen grünem Hut tricksten die beiden dennoch gehörig aus. Aber ohne die Hilfe der verzauberten Fee Amaryllis, die als hässliche Unke schon seit 200 Jahren im Schlossbrunnen sitzt, wäre das Happy End mit Pflaumenkuchen sehr fraglich geworden. Der (echte) plätschernde Hofbrunnen unweit der Bühne passte da genau so gut, wie die Idee, auch der erlösten Fee ein ziemlich unkenhaftes Konterfei zu geben. "Möge die Macht mit dir sein", verabschiedete sich die Gerettete und pfiff dabei das Lied der Star-Wars-Saga.

Die Frage nach den berühmten drei Wünschen, sie erledigte Kasperl souverän. Wünschte sich seine Mütze zurück - ein Geschenk der Oma - rettete zudem die Kaffeemühle, das geklaute Geburtstagsgeschenk für die Großmutter, und gab sogar dem in einen Gimpel verzauberten Hotzenplotz seine normale Gestalt zurück. Fantastisch, das Fest kann beginnen - auch ohne Schlagsahne.

Aktuelles

Darsteller sammeln für Kinderhospiz

Es war eine spontane Idee, die aber für eine satte Finanzspritze für den Ambulanten Kinderhospizdienst Neckar-Odenwald-Kreis sorgte. Die Darsteller des Musicals „Artus - Excalibur“ bei den diesjährigen Schlossfestspielen Zwingenberg entschieden sich vor der Premiere, auf die traditionellen Geschenke, die innerhalb eines Ensembles ausgetauscht werden, zu verzichten und das Geld zu spenden.

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