Die Schlossfestspiele auf Facebook Die Schlossfestspiele bei Instagram Die Schlossfestspiele bei YouTube

Schlossfestspiele Zwingenberg - Nationaloper mit Bio-Siegel (Mannheimer Morgen, 05.08.2013)

Nationaloper mit Bio-Siegel (Mannheimer Morgen, 05.08.2013)

Nationaloper mit Bio-Siegel (Mannheimer Morgen, 05.08.2013)

Von Hans-Günter Fischer | Atmosphärisch: Szene mit André Eckert aus dem Zwingenberger "Freischütz". © Dicke

Schockerlebnis in der Wolfsschlucht hinterm Zwingenberger Schloss: Da gibt es ein paar Herren, die sich diesem Ort nicht mit der notwendigen Andacht nähern. Und Bedürfnisse befriedigen, für die sie sich nicht in die Warteschlange stellen wollen, die vor dem Toilettenhäuschen immer länger wird. Aber vom Schloss her hört man rein und klar das Einsingen des Chors. Die Welt des "Freischütz" ist intakt, und André Wittlichs neue Inszenierung - seit 2010 wurde die Meisteroper Webers nicht mehr im Neckartal gespielt - will das mitnichten ändern. Sondern mittels eines Handlungsrahmens eher noch verstärken: Stimmen aus dem Lautsprecher, darunter offenkundig die von Wittlich selbst, stimmen das Publikum auf das Geschehen ein. Der "Freischütz" ist eine Art Gute-Nacht-Geschichte, die ein Vater seinen Kindern auftischt. Eine Love- und Grusel-Story gleichermaßen. Eine Bilderbuchgeschichte auch.Click here to find out more!

Im Stil des Neo-Biedermeier

Die junge Bühnenbildnerin Jessica Marquardt sorgt sich um Naturnähe. Der grüne Gazevorhang, hinter dem man, jedenfalls bei Tageslicht, fast kein Orchester mehr erkennen kann, zeigt eine deutsche Waldidylle. Weiter unten steht und liegt viel Totholz, ausgehöhlte Stümpfe, Stammreste, und ein paar braungelbe Nadelbäume, die vom letzten Weihnachtsfest zu stammen scheinen. Dieses Bühnenbild ist biologisch abbaubar und könnte nach der letzten Vorstellung problemlos in die Wolfsschlucht expediert werden. Bis auf die Einrichtung im Forsthaus: Deutsche Stehlampen der 50er sind eher Sondermüll. Ein Neo-Biedermeier, mit den maß- und auch geschmackvoll biedermeiernden Kostümen Barbara Hodapps durchaus harmonierend.

„Freischütz“ in Zwingenberg

  • "Der Freischütz" ist wieder am 9. und 10. August bei den Zwingenberger Schlossfestspielen zu sehen. Karten gibt es unter Telefon: 06263/771.
  • Zudem stehen noch "Die Fledermaus" (8./11. August) und "Meister Röckle und der Teufel" (10. August) auf dem Programm. Schon ausverkauft sind "Der Räuber Hotzenplotz" und "Chansons und Lieder der Nacht". HGF

"Werktreue" steht unsichtbar und doch in Riesenlettern über dieser Aufführung, und in der Wolfsschluchtszene fehlt es nicht am Nebelwallen, Wetterleuchten. Manchmal aber ein bisschen an Ironie. Wenn man sie da und dort zu ahnen scheint, wird sie vom Operntextbuch selbst erzeugt - eher unfreiwillig. Unironisch Anrührendes gibt es häufiger, etwa von den Brautjungfern: junge Mädchen, deren unzerstörbare Natürlichkeit auch Zyniker verstummen lässt. Ansonsten ist der Chor markant gewachsen, produziert bisweilen echte Breitwandwirkungen, die nur gelegentlich an leichten Asynchronitäten leiden.

In den Nebenrollen gibt es ein paar kleinere Problemfälle, Eberhard Bendels Eremit etwa scheint seine hehren Einsichten mit einem heißen Kloß im Mund zu formulieren. Aber in den Hauptpartien passt es: Daniel Zihlmann ist ein starker, manchmal aggressiver Jägerbursche Max, der seinen "Strahl durch diese Nächte" leitet. "Bange Ahnung füllt die Brust" nur dann, wenn er forciert und drückt. Eine Entdeckung ist Laura Faig als Ännchen: feingliedriges Singen und Bewegen, sehr agil und spielfreudig. Und Annett Arnold als Agathe steht ihr, wenn auch rollendeckend züchtig, wenig nach. "Dein Mädchen wacht", singt sie in Richtung Max. So muss es sein. Mit dieser Wachheit dient auch über weite Strecken das Orchester, das Jan Hoffmann leitet. Doch das letzte Wort haben bei André Wittlich wieder diese Stimmen aus dem Lautsprecher. Der Vater mahnt: "Jetzt aber wird geschlafen! Gute Nacht!"

© Mannheimer Morgen, Montag, 05.08.2013

Aktuelles

Darsteller sammeln für Kinderhospiz

Es war eine spontane Idee, die aber für eine satte Finanzspritze für den Ambulanten Kinderhospizdienst Neckar-Odenwald-Kreis sorgte. Die Darsteller des Musicals „Artus - Excalibur“ bei den diesjährigen Schlossfestspielen Zwingenberg entschieden sich vor der Premiere, auf die traditionellen Geschenke, die innerhalb eines Ensembles ausgetauscht werden, zu verzichten und das Geld zu spenden.

Weiterlesen ...