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Schlossfestspiele Zwingenberg - Geknutscht wird nur einmal (RNZ, 06.08.2013)

Geknutscht wird nur einmal (RNZ, 06.08.2013)

Die Waldlandschaft hinter ihnen symbolisiert die Wolfsschlucht: Annett Arnold als Agathe (links) mit Laura Faig als Ännchen im neuen Zwingenberger 'Freischütz'. Foto: Barbara Nolten-Casado  Von Waltraut Anna Kautz  Nach dreijähriger Pause gibt es bei den Zwingenberger Schlossfestspielen wieder einen "Freischütz". Eng schmiegt sich das Schloss an den Bergfelsen - eine ideale Kulisse für diese romantische Oper, zumal ja die Wolfsschlucht, die Komponist Carl Maria von Weber zur unheimlichsten Szene der Handlung inspiriert haben soll, ganz in der Nähe ist.  Im Hof saß man mit Blick auf die Türme und das Haupthaus des Gebäudes - ein gewaltiger Hintergrund zu Jessica Marquardts Bühnenbild -, eine klassische Waldlandschaft aus Baumstümpfen, Ästen und Stammblöcken, in den Innenszenen ergänzt durch flink herbeigetragene Stehlampen. Mit einem Foto magischer Bäume bedruckt (vielleicht in der echten Schlucht aufgenommen?) hing hinten ein changierendes Tuch herab und verdeckte das Orchester - die durchscheinenden Pultleuchten der Musiker sorgten dabei für interessante Lichteffekte.  Klassisch war denn auch die Inszenierung bis in die Einzelheiten. Barbara Hodapps liebevoll gestaltete Kostüme (Schürze, Wams und Federhut) passten perfekt bis in die Details hinein - da irritierte nur manch moderne Frisur...  Künstlerische Berechtigung für die konsequent durchgehaltene Werktreue bot ein neu erfundener Dialog eines Vaters mit seinen um eine Gute-Nacht-Erzählung bettelnden Kindern, der als hörspielartiges Intermezzo vor der Ouvertüre, zur Pause und am Ende vorgetragen wurde. Das Mädchen wünscht sich eine Liebes-, der Junge eine Gruselgeschichte. "Aber geknutscht wird nur einmal...", vergewissert sich der Knabe noch, dann geht es los. Souverän meistert das Festspielorchester unter Jan Hoffmann die Ouvertüre - von ein paar Intonationsschwächen abgesehen, schlägt sich das Ensemble in der Resthitze des 35-Grad-Tages und den schwierigen akustischen Bedingungen insgesamt bewundernswert. Mit großem Engagement dabei ist auch der Festspielchor, rund 60 Laiensänger aus der Region, dessen Einstudierung Klaus Eisenmann übernommen hatte. Die Leidenschaft aller Beteiligten ließ das Publikum gern über manchen musikalischen Stolperstein hinweghören. Faszinierend wirkte vor allem der Auftritt des Kinderchores als Brautjungfern.  Solide präsentierte sich die Solistenschar. Technisch versiert Laura Faig als Ännchen, die ihre Arien so mühelos und freudvoll sang, wie es ihr Charakter verlangte. Annett Arnold (Agathe) überzeugte vor allem in den mittleren und tiefen Lagen mit dem warm-dunklen Schmelz ihrer Stimme. Auch Daniel Zihlmann (Max) war in der Höhe etwas eng, warf sich aber mit Passion in die Rolle des unverstandenen Prüflings. André Eckert als Kaspar sang einen vollen, jedoch im Schnellen ein bisschen unbeweglichen Bass.  Trotz vieler feiner Details haftete dem Gesamtkonzept von Regisseur André Wittlich eine gewisse Starrheit an. Namentlich die Personenführung war wenig überzeugend - kaum Interaktion, häufig frontales Singen an der Rampe. Zwar entsprach die traditionelle Umsetzung dem Ambiente, dennoch hätte der Inszenierung mehr Spritzigkeit und Raffinement gut getan. Einige ansprechende Ideen gab es aber wohl zu bestaunen: Reichlich rauchend und perfekt getimt mit dem Einbruch der Dunkelheit die Wolfsschluchtszene. Grillengezirp zu Agathes einsamen Gesängen. Glockengeläut aus dem Schlossturm. Geradezu kultig wirkte Samiel (Klaus Müller-Blask) mit seinen wild abstehenden weißen Haaren, seiner hageren Figur und seiner gelassenen Dialogführung. Beeindruckend sein finales Erscheinen, meterhoch über der Bühne auf der Schlossmauer, schaurig beleuchtet. Kräftiger Applaus von den Premierenbesuchern!  Und geknutscht wird übrigens wirklich nur einmal.

Die Waldlandschaft hinter ihnen symbolisiert die Wolfsschlucht: Annett Arnold als Agathe (links) mit Laura Faig als Ännchen im neuen Zwingenberger 'Freischütz'. Foto: Barbara Nolten-Casado

Von Waltraut Anna Kautz

Nach dreijähriger Pause gibt es bei den Zwingenberger Schlossfestspielen wieder einen "Freischütz". Eng schmiegt sich das Schloss an den Bergfelsen - eine ideale Kulisse für diese romantische Oper, zumal ja die Wolfsschlucht, die Komponist Carl Maria von Weber zur unheimlichsten Szene der Handlung inspiriert haben soll, ganz in der Nähe ist.

Im Hof saß man mit Blick auf die Türme und das Haupthaus des Gebäudes - ein gewaltiger Hintergrund zu Jessica Marquardts Bühnenbild -, eine klassische Waldlandschaft aus Baumstümpfen, Ästen und Stammblöcken, in den Innenszenen ergänzt durch flink herbeigetragene Stehlampen. Mit einem Foto magischer Bäume bedruckt (vielleicht in der echten Schlucht aufgenommen?) hing hinten ein changierendes Tuch herab und verdeckte das Orchester - die durchscheinenden Pultleuchten der Musiker sorgten dabei für interessante Lichteffekte.

Klassisch war denn auch die Inszenierung bis in die Einzelheiten. Barbara Hodapps liebevoll gestaltete Kostüme (Schürze, Wams und Federhut) passten perfekt bis in die Details hinein - da irritierte nur manch moderne Frisur...

Künstlerische Berechtigung für die konsequent durchgehaltene Werktreue bot ein neu erfundener Dialog eines Vaters mit seinen um eine Gute-Nacht-Erzählung bettelnden Kindern, der als hörspielartiges Intermezzo vor der Ouvertüre, zur Pause und am Ende vorgetragen wurde. Das Mädchen wünscht sich eine Liebes-, der Junge eine Gruselgeschichte. "Aber geknutscht wird nur einmal...", vergewissert sich der Knabe noch, dann geht es los. Souverän meistert das Festspielorchester unter Jan Hoffmann die Ouvertüre - von ein paar Intonationsschwächen abgesehen, schlägt sich das Ensemble in der Resthitze des 35-Grad-Tages und den schwierigen akustischen Bedingungen insgesamt bewundernswert. Mit großem Engagement dabei ist auch der Festspielchor, rund 60 Laiensänger aus der Region, dessen Einstudierung Klaus Eisenmann übernommen hatte. Die Leidenschaft aller Beteiligten ließ das Publikum gern über manchen musikalischen Stolperstein hinweghören. Faszinierend wirkte vor allem der Auftritt des Kinderchores als Brautjungfern.

Solide präsentierte sich die Solistenschar. Technisch versiert Laura Faig als Ännchen, die ihre Arien so mühelos und freudvoll sang, wie es ihr Charakter verlangte. Annett Arnold (Agathe) überzeugte vor allem in den mittleren und tiefen Lagen mit dem warm-dunklen Schmelz ihrer Stimme. Auch Daniel Zihlmann (Max) war in der Höhe etwas eng, warf sich aber mit Passion in die Rolle des unverstandenen Prüflings. André Eckert als Kaspar sang einen vollen, jedoch im Schnellen ein bisschen unbeweglichen Bass.

Trotz vieler feiner Details haftete dem Gesamtkonzept von Regisseur André Wittlich eine gewisse Starrheit an. Namentlich die Personenführung war wenig überzeugend - kaum Interaktion, häufig frontales Singen an der Rampe. Zwar entsprach die traditionelle Umsetzung dem Ambiente, dennoch hätte der Inszenierung mehr Spritzigkeit und Raffinement gut getan. Einige ansprechende Ideen gab es aber wohl zu bestaunen: Reichlich rauchend und perfekt getimt mit dem Einbruch der Dunkelheit die Wolfsschluchtszene. Grillengezirp zu Agathes einsamen Gesängen. Glockengeläut aus dem Schlossturm. Geradezu kultig wirkte Samiel (Klaus Müller-Blask) mit seinen wild abstehenden weißen Haaren, seiner hageren Figur und seiner gelassenen Dialogführung. Beeindruckend sein finales Erscheinen, meterhoch über der Bühne auf der Schlossmauer, schaurig beleuchtet. Kräftiger Applaus von den Premierenbesuchern!

Und geknutscht wird übrigens wirklich nur einmal.

Aktuelles

Darsteller sammeln für Kinderhospiz

Es war eine spontane Idee, die aber für eine satte Finanzspritze für den Ambulanten Kinderhospizdienst Neckar-Odenwald-Kreis sorgte. Die Darsteller des Musicals „Artus - Excalibur“ bei den diesjährigen Schlossfestspielen Zwingenberg entschieden sich vor der Premiere, auf die traditionellen Geschenke, die innerhalb eines Ensembles ausgetauscht werden, zu verzichten und das Geld zu spenden.

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