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Schlossfestspiele Zwingenberg - Mein lieber, falscher Herr Marquis (Mannheimer Morgen, 06.08.2013)

Mein lieber, falscher Herr Marquis (Mannheimer Morgen, 06.08.2013)

Mein lieber, falscher Herr Marquis (Mannheimer Morgen, 06.08.2013)

Szene aus der Zwingenberger "Fledermaus". © Nolten-Casado

Alfred, der Gesangslehrer, der seiner alten Flamme Rosalinde wieder nachstellt, will natürlich niemanden kompromittieren. Doch das volle Weinglas will er eben auch nicht stehen lassen, wenn man das mal bildhaft sagen möchte. Rosalinde ihrerseits hat ein Problem: Sie hat "zum Rindfleisch und zum Braten keinen Mann", vorübergehend jedenfalls -ihr Gatte Eisenstein muss kurz ins Kittchen. Alfred kommt also nicht völlig ungelegen.

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In der Johann Strauß'schen "Fledermaus" wird klassischer Komödienstoff verarbeitet. Aber das ist nicht alles: Die von Textdichter Richard Genée kreierten Dialoge voller Halbwahrheiten, Heuchelei und Krokodilstränen ("Oje, oje, wie rührt mich dies") sind in den letzten 140 Jahren kaum gealtert. Diese Szenen aus dem bürgerlichen Schurkenleben kennen wir, wir führen es zum Teil noch immer. Daher muss der Regisseur Andreas Lachnit bei den Zwingenberger Schlossfestspielen - scheinbar - gar nichts machen mit der "Königin der Operetten". Zu Beginn des dritten Akts nimmt sich die Inszenierung sogar eine kleine Extra-Auszeit nach den wilden Ballszenen im Akt davor. Es ist der große Kater nach dem großen Fest.

Die Bühnenausstattung Jessica Marquardts freilich ist für Zwingenberger Schlossfestspiel-Verhältnisse recht opulent. Mit vielen bunten Glühbirnen und einem kleinen Feuerwerk am Schluss des zweiten Akts. Mit breiten, sternförmig drapierten weißen Bändern, die sich wie ein Spinnennetz über die Hochstapler-Society des Stücks zu legen scheinen. All die falschen Chevaliers, Herren Marquis und ungarischen Gräfinnen sind zwar darin gefangen, schummeln aber immer weiter. Regisseur Andreas Lachnit möchte uns das Lächeln der Komplizen auf die Lippen zaubern. Das gelingt nicht übel.

Herz aller Intrigen ist natürlich Doktor Falke, besser als "Die Fledermaus" bekannt, von Lukas Kargl gut gespielt - und weniger grandios gesungen. Gleiches lässt sich auch von Christian Brüggemann als Gabriel von Eisenstein behaupten, der (durchaus gekonnt) so selbstgefällig auftritt, dass man es genauso gut vertrottelt nennen könnte. Einen liebenswerten Trottel, das vom Slibowitz befeuerte Faktotum des Gefängnisses, spielt noch markanter André Wittlich. Aber das ist eine reine Sprechrolle.

Wem es bei Johann Strauß aufs Singen ankommt, der muss sich an Holger Ries halten. Schon seit 2001 ein Zwingenberger Urgestein, zeigt er noch keine Abnutzungserscheinungen und reichert seinen Part des Alfred mit Zitaten prominenter Strauß-Kollegen an - Lehár und Weber. Attraktion des Abends ist aber Nicole Tamburro als Adele, sie beweist: "Soubrette" ist kein Schimpfname, sondern ein Adelsprädikat. Ihre Koloraturen - und gelegentlich auch die Sonja Maria Westermanns, der Rosalinde - können lachen, drohen oder sich sogar entrüsten. Aber nicht über den orchestralen Beistand durch den Dirigenten Karsten Huschke: Der wahrt alle Etikette.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 06.08.2013

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